Alte Spinnerei Markt Mainleus

3.Preis
im Wettbewerb 2018
in Zusammenarbeit mit FROMATION A

Das städtebauliche Leitbild sieht die Entwicklung eines Stadtgewebes vor, das die verschiedenen Ebenen der Geschichte, der Lage im Ort, der geplanten Nutzungen und der vorgefundenen umgebenden Strukturen zu einer lebendigen Stadtlandschaft verknüpft.

  1. Den Faden weiterspinnen
    So wie die Spinnerei über lange Zeit als wirtschaftlicher und sozialer Entwicklungsmotor für Markt Mainleus diente, sollen die zukünftigen Nutzungen diese Bedeutung weiter erfüllen:
    Die frei gewordenen Potentiale im Herzen der Stadt bieten die Chance zum Markt für Waren und Kultur auf lokaler und regionaler Ebene zu werden: Die Höfe der umliegenden Weiler bieten Ihre Produkte an, die Gründer ihr Wissen, die Handwerker ihr Können, die Dienstleister ihren Service und die Bewohner tauschen soziale Interaktionen. Die Gartenschau dient dabei als Wegbereiter für die Stabilisierung der geplanten Nutzungen.
  2. Industriekultur erhalten
    Das Spinnereiareal war und ist unstreitbar mit der Entwicklung von Mainleus verbunden. Der Erhalt und die Umnutzung eines Großteils der Bestandsbauten verweist auf die örtliche Industriekultur und steht maßgebend für das Ambiente der Weiterentwicklung. Gezielte Schneisen im Bestand bilden die Grundlage neue Wege innerhalb des Spinnereiquartiers zu erkunden, zu erschließen und zu beleben.
    Folglich orientiert sich die Konfiguration der Neubebauung am Fußabdruck der ehemaligen Spinnerei, die Robustheit der neuen, in den Bestand eingewebten Strukturen und Materialien soll an die vormalige industrielle Nutzung referenzieren.
  3. Verweben
    An die umliegenden Ortsteile wird das einst fast hermetisch abgeriegelte Areal angebunden. Neue Nutzungen und Wegeverbindungen knüpfen an strategischen Stellen der näheren Umgebung an, und durch gezielt gesetzte neue Schneisen wird das Spinnereiquartier nach Außen geöffnet. Die Überlagerung verschiedener Bereiche erzeugt dabei das Bild eines Webteppiches, der insbesondere an den Schnittpunkten seiner Nutzungsmuster ein lebendiges Miteinander fördert und das Quartier der Spinnerei in das Siedlungsgewebe einbindet.

Städtebauliches Konzept
Bauliche Konfiguration
Während Freiraum und Nutzungen einen verbindenden Charakter zur Gemeinde aufweisen, zielt die bauliche Figuration darauf ab, die Strukturen – den Fußabdruck der ehemaligen Spinnerei ablesbar zu erhalten: Die Haupterschließung der ehemaligen Fabrikanlage bleibt als zentrales Element bestehen. Sie wird als Boulevard interpretiert, entlang dessen sich Punkthäuser (weitestgehend öffentliche Nutzungen) reihen. Den Auftakt bildet das markante Kesselhaus. Von der Bahnlinie aus gesehen bleibt die Silhouette der Industrieanlage nahezu erhalten, die ehemalige Pforte bildet weiterhin, wenn auch wesentlich offener, den Eingang. Die südlichen Bestandsbauten werden behutsam freigestellt um das Quartier deutlich an Bahnübergang (Konrad-Popp-Platz) und Bahnhof (Rathaus, Ortsmitte) anzubinden.
Zwischen den angrenzenden Wohngebieten im Osten (Hornschuchhausen) und Westen wird eine neue grüne Naht aufgezogen, die als Verbinder zwischen Neu und Alt, zwischen Umgebung und Areal dient. Das neu bespielte Gerippe der alten Halle zeugt an dieser Stelle als bauliches Fragment von der Transformation.
Die anschließenden nördlichen Neubauquartiere orientieren sich mit ihrer Setzung und in der baulichen Dichte am industriellen Erbe der Gemeinde. Die Bebauung zeichnet im weitesten Sinne die baulichen Strukturen der Spinnerei nach, ermöglichen jedoch gleichzeitig die großzügige und weitläufige Freiraumgestalt im Inneren des Areals.
Durch die Intensivierung der neuen alten Wegenverbindungen, des Grüngürtels in Ost-West und des Boulevards in Nord-Süd Richtung wird das ehemalige Spinnereigelände in vier Quartiere gegliedert. Jedes dieser Quartiere unterliegt in unterschiedlicher Konzentration seiner quartiersprägenden Historie innerhalb der Leitidee: den Faden weiterspinnen, Industriekultur erhalten, verweben. Dabei werden nachbarschaftlich verträgliche Nutzungen (z.B. im Nordwesten: Arbeiten und Wohnen oder im Südosten: Kultur und Industrie) innerhalb der Quartiere programmiert und diese wiederum über den Freiraum unterschieden bzw. gegebenfalls getrennt (z.b. durch Großgrün bei notwendiger Schallabtrennung). In der Fassadengestaltung und Materialität der Neubauten wird ein deutlicher Bezug zum industriellen Erbe im Herzen der Gemeinde angestrebt.
Freiraum
Der ehemaligen Erschließungsachse wird durch begleitende Nutzungen und Mobiliar neues Leben eingehaucht, so dass sie sich zur neuen Flanier- und Einkaufsmeile entwickeln kann, locker aufgereihte Stadtbäume sorgen für Akzente und Aufenthaltsqualität.
Mittelpunkt des Spinnereiareals wird der an der Überlagerung von Boulevard und Park verortete multifunktionale Platz, dessen begrünte Gartenhalle zum post-industriellen Markenzeichen wird.
Der Färberpark spinnt sich mit Fuß- und Radwegen quer durch das Quartier und übernimmt die Rolle eines extensiven Volksparks: Extensive Wiesenflächen wechseln sich mit bespielbaren Rasenflächen ab, Beete mit Gräsern entwickeln sich aus den schmucken Blumenbeeten der Gartenschau. Angebote für Spiel, Sport und Ruhe sind in die Felder zwischen den Wegen einsortiert. Das Arboretum verschiedener Parkbäume beschattet die großzügigen Wiesen und könnte als Forschungsfeld für zukunftsfähige Stadtpflanzung dienen. Zudem wird die Fläche als Retentionsfläche für Regenwasser der Neubauquartiere genutzt.
Die Gassen und Wege zwischen den bestehenden Hallen bewahren ihren post- industriellen Charakter, teilweise von alten Strukturen überspannte Bereiche lassen an einen Suq erinnern.
Zwischennutzungen
Die Gartenschau bespielt als wichtiger Akteur den Färberpark und nutzt die Mobiliarfelder des Boulevards für kleine Schmuckbeete als Appetizer. Zusätzlich dient die nördliche Halle als Showroom, die verschiedene Themen im post-industriellen Ambiente inszeniert: Hoffelder, Aufzuchtstationen für Pflanzen, künstlerische Projekte werden ausgestellt.
Leitthema bleibt die Verwebung von Schmuck und Nutzen der Natur: Ess- und trinkbare Pflanzen, Tierhaltung zur Unterhaltspflege und extensive Wiesen als Bienenweide können didaktisch aufgearbeitet werden. Felder für Leder-, Wolle und Garnproduktion schaffen das Bindeglied zur vorherigen Nutzung. Der soziale Aspekt ergänzt die produktive Ebene: Beispielsweise findet ein Brotbackfest nach der gemeinschaftlichen Ernteaktion statt, die Schafschur kann live erlebt werden.
Die Raumpioniere erweitern das Angebot auf einer informellen Ebene: Die großen Flächen der Hallen werden kostenfrei zur Verfügung gestellt, nach einem gewissen Zeitraum muß eine Gegenleistung in Form eines Verkaufsmarktes, einer Vernissage, oder ähnliches stattfinden. Eine Reihe verschiedener Events lenkt so kontinuierlich die Aufmerksamkeit auf das Quartier, mit Eintrittsgeldern und Verkaufserlösen kann der Umbau der der Hallen Schritt für Schritt in Angriff genommen werden.


auslober: markt mainleus | fläche: ca. 14 ha |s. competitionline