Neue Gartenstadt mit System

1.Preis
im Wettbewerb 2018
in Zusammenarbeit mit Therese Strohe Michael Ullrich Architekten und
Klöpfel Koenig Architektenpartnerschaft mbB

Situation und Konzept
Das Wettbewerbsgebiet befindet sich am östlichen Rand des Plattenbau-Wohngebietes „Moskauer Platz“ im Übergangsbereich zur Gera-Aue. Der große Grünzug ist als Kernbereich der BUGA 2021 von großer übergeordneter und stadträumlicher Bedeutung.
Das Wohngebiet ist geprägt von Großstrukturen der 70er Jahre.
Getragen wird der Entwurf von dem gedanklichen Modell von einem Zuhause mit einem eigenen Vorgarten. Dieses Modell ist präsent von der städtebaulichen Ausformulierung über die Erschließung bis zum Grundriss. Die Assoziation ermöglicht uns den Entwurf so anzureichern, dass ein erzählerischer und prägnanter Ausdruck entsteht.
Zwei Gebäudetiefen sind die Bausteine der kompositorischen Anordnung.
Die versetzte Ausbildung paralleler Baukörper und die Setzung von Einzelgebäuden als „Gartenhäuser“ gliedern den inneren Freiraum.
Durch die Eingangsterrassen als der Wohnung vorgelagerter „Vorgarten“ werden die Gebäude netzartig verbunden und der Freiraum mehrfach unterteilt und ausdifferenziert. Es entstehen Hoffolgen mit einer großen Durchlässigkeit und Verbindung zum Landschaftraum der Gera-Auen.
Der Entwurf erzeugt mit seiner Kleinteiligkeit und Differenziertheit eine menschliche Maßstäblichkeit und versteht sich als Gegenposition und Ergänzung zur bestehenden großmaßstäblichen Umgebungsbebauung mit Blockrändern und großen Freiräumen. Es entstehen intimere, klar definierte, verschiedenartige und facettenreiche Grünräume mit hohen Aufenthaltsqualitäten.
Es ist ein städtischer Entwurf mit nuancenreichen Abstufungen von Öffentlich über Gemeinsam zu Privat. Es entstehen Übergangsräume zwischen Innen und Außen, die eine lebendige Nachbarschaft ermöglichen – unsere Interpretation der Gartenstadt.

Freiraum
Entlang der Gera-Aue bildet ein sanfter, in Anlehnung an den weiten Landschaftsraum mit lockeren Baumgruppen bestandener Hang den Übergang zur Bebauung. In Gebäudenähe verdichtet sich die Struktur zu einem Patchwork aus Wohnwegen, halböffentlichen Gartenwegen und Höfen, flankiert von den Mietergärten.
Die Hofstrukturen reagieren auf die Dichte der Bebauung, so daß kleinere Höfe durch einen Gartenweg gequert werden, während die tieferen Höfe mit gemeinschaftlichen Elementen wie Kinderspielgeräten, Picnicbänken und Radstellplätzen bespielt sind. Durch die Nähe der Privatgärten zu den Höfen entsteht das nachbarschaftliche Miteinander, zufällige Begegnungen werden gefördert.
Die öffentliche Erschließung erfolgt jeweils quer zur Bebauungsstruktur durch die Durchgänge an der Straße als breiter Steg zu den Zugängen bzw. Treppenhäusern hin, während die informelle, eher für die Bewohner gedachte, informelle Durchwegung der Durchlässigkeit der Bebauung folgt.
Parkplätze gliedern sich entlang der Wohnstraße unter Baumreihen ein, ohne den Raum zu dominieren. Gleichzeitig dient die Wohnstraße mit ihrer Breite von 5,50m durchgängig als Bewegungsfläche für die Feuerwehr. Aufgrund der 3-Geschossigkeit können alle Wohneinheiten über Steckleitern angedient werden.
Das Regenwasser wird auf den Extensivdächern zwischengespeichert und verdunstet zum großen Teil, überschüssiges Wasser wird in offenen Rinnen zur Sickermulde am Weg zur Gera-Aue geleitet. Die ebenerdigen, befestigten Flächen der Höfe entwässern in die anliegenden Vegetationsflächen.

Erschließung
Erschlossen werden die Gebäude jeweils von der Straße über gemeinsame Hausdurchgänge. Sie führen zu den in den mittleren Baukörpern liegenden Treppenanlagen. Die Treppenhäuser sind als Dreispänner konzipiert. Die Türen sind als Gartenpforten zum eigenen „Vorgarten“ gedacht. Hier beginnt der private Außenbereich. Ein Verbindungssteg mündet auf einer großen überdachten Terrasse, die den Eingang zur Wohnung bildet. Sie ist Vorgarten, Eingangsbereich, Veranda und Sonnendeck.
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auslober: Kommunale Wohnungsgesellschaft mbH Erfurt | fläche: ca. 1,6 ha