Griebnitz-Ufer

Uferlandschaft im Wandel

Die Freiraumlandschaft Potsdams ist geprägt von weichen Uferbereichen, topografischen Übergängen, Waldstrukturen und der Gewässerlandschaft der Havel. Inmitten dieses landschaftlichen Gefüges liegt das Südufer des Griebnitzsees im Stadtteil Babelsberg – ein Ort, an dem landschaftliche Qualitäten, historische Brüche und Fragen öffentlicher Zugänglichkeit aufeinandertreffen.

Die Entwicklung des Südufers spiegelt die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider. Aus den privaten Gärten der Villenkolonie Neubabelsberg wurde während der Teilung Berlins ein unzugänglicher Grenzraum entlang der Berliner Mauer. Bis heute prägen diese historischen Schichten den Ort und bilden den Hintergrund der Diskussion um Öffentlichkeit, Privatheit und den Zugang zum Wasser.

Landschaftlich eingebettet zwischen Park Babelsberg, dem Moritzberg im Düppeler Forst und dem Naturschutzgebiet Bäkewiese greift der Entwurf diese komplexe Ausgangslage auf. Das Südufer wird nicht als linearer Freiraum verstanden, sondern als vielschichtige Freiraumchoreografie zwischen Stadt, Wasser, Erinnerungskultur und privatem Wohnen. Das Ufer vermittelt innerhalb des Potsdamer Freiraumgefüges zwischen landschaftlicher Offenheit, ökologischer Sensibilität und den historisch gewachsenen Babelsberger Stadt- und Nutzungsstrukturen.

Im Realisierungsteil steht die behutsame Erweiterung der Potsdamer Natur- und Erholungslandschaft im Vordergrund. Entlang des Südufers entstehen punktuell Aufenthaltsorte, die den Landschaftsraum aktivieren, ohne ihn zu überformen. Grundlage aller Eingriffe ist hierbei ein gemeinsames Gestaltprinzip: Bestehende Vegetationsstrukturen, topografische Übergänge und historische Spuren werden aufgenommen und mit wenigen, präzise gesetzten Elementen weiterentwickelt. Ein organisches Wegesystem, Holzstege, Lichtungen und schattige Plätze sowie attraktive Aufenthaltsorte fügen sich selbstverständlich in die Uferlandschaft ein und schaffen eine prägnante räumliche Sprache. Es entsteht eine abwechslungsreiche Folge unterschiedlicher Ufersituationen mit variierenden Nutzungsintensitäten – von ruhigen Naturbereichen bis hin zu lebendigen Orten am Wasser. Gleichzeitig bleibt die historische Bedeutung des ehemaligen Grenzraums über den Berliner Mauerweg durch gezielte räumliche Interventionen dauerhaft ablesbar.

Routen und Entdeckerpfade

In diese Freiraumstruktur werden drei eigenständige Routen bzw. Pfade eingewebt, die unterschiedliche Ebenen des Ortes erfahrbar machen. Entscheidend ist dabei, dass das Südufer auch unabhängig von einem langfristig angestrebten durchgehenden Uferweg bereits heute aufgewertet und erlebbar gemacht wird. Der bestehende Mauerweg (Fuß- und Radweg) bleibt in seiner Lage erhalten und erschließt die historischen Spuren entlang des ehemaligen Grenzraums. Dieses Leitsystem wird durch Wegmarken ergänzt, die vom Radweg hinunter in die Realisierungsbereiche leiten und den Uferraum erschließen. Infostelen und Markierungen im Boden knüpfen an die Systematik des Berliner Mauerwegs an, erhalten aber eine für Potsdam charakteristische eigene Materialsprache. Diesem Konzept folgend führt perspektivisch der Uferweg Süd auch durch die Ideenteile und ermöglicht auf zurückhaltende Weise Einblicke in die Uferlandschaft sowie in die Struktur der heutigen privaten Gartenräume. Die Seeroute ergänzt das Wegenetz auf dem Wasser: Sie zeichnet den historischen Verlauf der Grenze nach und verbindet neue Anlegestellen miteinander, an denen wiederum Informationen zur deutschen Teilung, der Geschichte des Ortes und zur Entwicklung der Uferlandschaft vermittelt werden. Es entsteht ein vielschichtiges Freiraumsystem, das Landschaft, Erinnerungskultur, Bewegung und Erholung miteinander verknüpft und das Südufer des Griebnitzsees als besonderen Ort im Potsdamer Stadtraum hervorhebt.