Stadtnatur

Neugestaltung Hafenpromenade Enge

Erhalten, Freilegen und neu Fügen

Die Projektentwicklung beginnt mit der genau­en Analyse der vorhandenen Substanz. Prä­gnant sind neben den Säuleneichen-Clustern entlang des Mythenquai und der Erlenreihe entlang des Hafens, vor allem die hochwertige Materialisierung des jetzigen Parkplatzes so­wie der Mauer mit Treppenanlage. Ausgehend von diesen Qualitäten wird die Hafenpromena­de neu strukturiert. Neben einem nachhaltigen Umgang mit dem Bestand spielt vor allem das Freilegen naturräumlicher Strukturen eine zen­trale Rolle bei der Projektentwicklung. Durch das Entfernen vorhandener Belagsflächen eta­bliert sich einerseits eine diagonal verlaufende Hauptbewegungsachse, andererseits werden grosszügige Grün- und Kiesflächen freigelegt. Die neue diagonale Querung, gebildet aus der alten Pflästerung, fungiert als direkte Verbin­dung zwischen Arboretum, Wabengarten und weiterführender Promenade entlang des See­ufers. Die beiden Ankunftsplätze im Übergang zum Arboretumg und zum Wabengarten wer­den mit recycelten Pflastersteinen neu gefügt.

Auch die vorhandenen Asphaltflächen werden aufgebrochen und weitestgehend entsiegelt. Drei Schollengärten und Trampelpfade erin­nern an die ehemalige Wegverbindung ent­lang der Ufermauer. Die bestehende Mauer und Treppenanlage erhält im neuen grünen Kontext eine ganz andere Qualität und Be­deutung: Als Habitat für Flora und Fauna, wird sie zur informellen Sitzkante entlang des Ha­fens. Mit diesen Eingriffen wird der ehemalige Parkplatz zu einem neuen, zusammenhän­genden Weg-, Platz- und Naturgefüge (Stadt­natur) transfomiert, dessen grossflächige Entsiegelung eine vielfältigere und nachhal­tigere Nutzung der Hafenanlage ermöglicht.

Die freigelegten Flächen nehmen ihre öko­logische Bodenfunktion wieder auf und wer­den durchlässig sowohl für das Wasser und Wurzelwerk als auch für ein Miteinander von Mensch, Flora und Fauna. Diese Vielfalt wird von einem raumwirksamen Baumraster zu­sammengehalten, das die Quaianlage zudem in die Abfolge der baumbestandenen Pro­menaden entlang des Sees einordnet. Dabei verweisen die versetzte Anordnung des Ras­ters und die Auswahl mehrerer Arten auf das neue, diverse Naturideal. Das Raster spannt sich über der gesamten Hafenpromenade auf. Diese klare Struktur unterstützt die gefor­derte Grosszügigkeit im gesamtstädtischen Kontext, ermöglicht zugleich unter dem Blät­terdach ein breites Spektrum an Leben und vielfältige Nutzungen.

Spektrum der Stadtnatur

Das Konzept der Stadtnatur spannt den Bo­gen zwischen diesen scheinbaren Gegensät­zen und eröffnet ein breites Spektrum an Nut­zungen, Funktionen und Deutungsebenen. Vielfalt und Strukturreichtum werden zum übergeordneten Leitbild, Wandel ist inhärent. Die neue ‘Natur’ übernimmt eine wichtige kli­maökologische Funktion innerhalb der Stadt, schafft es aber auch im Kleinen besondere Momente des Naturerlebnisses zu vermitteln. Sie steht für ein respektvolles Nebeneinander und Miteinander, für einen lebendigen Frei­raum für Alle. Mit ihrem Alleinstellungsmerk­mal komplementiert die neue Stadtnatur das breite Spektrum der unterschiedlichen Frei­räume entlang des Seebeckens von Zürich.