Trilaterales Weltnaturerbe Wattenmeer Partnerschaftszentrum

3.Preis
im Wettbewerb 2017
in Zusammenarbeit mit FROMATION A

Aufgabe
Die drei Wattenmeerstaaten Dänemark,Deutschland und die Niederlande beabsichtigen, das TWWP mit Sitz im niedersächsischen Wilhelmshaven einzurichten, dessen organisatorisches Kernstück das bereits in Wilhelmshaven ansässige Gemeinsame Wattenmeersekretariat.
Das TWWP soll das CWSS und ein noch näher zu definierendes Netzwerk-Partnerschaftselement umfassen. Es soll seinen Sitz zusammen mit einer künftigen trilateralen Wattenmeerstiftung sowie der Nationalparkverwaltung „Niedersächsisches Wattenmeer“ (NLPV) unter einem Dach in dem neu zu errichtenden Gebäude haben. Das TWWP ist für die Stadt Wilhelmshaven ein zentraler Baustein zur weiteren Stadtentwicklung im Leitprojekt „vitale Südseite“.
Erläuterung
Südlich der Innenstadt von Wilhelmshaven gelegen markiert die Kreuzung von Jadeallee (Stadtachse) und Emsstraße einen neuralgischen Punkt kurz vor dem Grodendamm auf dem Weg Richtung Jadebusen (Wattenmeer).Gegenwärtig ist diese Situation als Verkehrsführung (Kreisverkehr) wahrnehmbar, doch schon in naher Zukunft wird mit der städtebaulichen Entwicklung vitale Südseite jenes Bindeglied zwischen Wiesbadenbrücke und Banter See eine weitere Aufgabe zu erfüllen haben.
Der Wettbewerb – Neubau Trilaterales Weltnaturerbe Wattenmeer Partnerschaftszentrum – befasst sich mit der ehemaligen militärisch genutzten Konversionsfläche am Ufer des Banter See. Der hier zu entwickelnde attraktive Campus mit Nutzungen aus Gemeinbedarfs- und Forschungseinrichtungen wird nicht nur seinen städtischen Anschluss an jenem neuralgischen Kreisverkehr (der als Platz noch keinen Namen trägt) erhalten, sondern es verlangt ebenso nach einer Verbindung Richtung Wiesbadenbrücke um über „Teilräume unterschiedlicher Nutzungen“ ein städtischen Band an Wilhemshavens Südseite zu knüpfen.
Über das Wettbewerbsgrundstück eröffnen sich mit der Entwicklung eines städtischen Bandes wesentliche Bezüge aus der Stadt in die umliegende Natur: zum Einen entsteht mit dem zukünftigen Banter See Park ein Stadtgarten mit direktem Zugang zum Banter See (Nord-Süd Ausrichtung) und zum Anderen ein sukzessiver Übergang der südlichen Stadtkante über das Naherholungsgebiet entlang der Emsstraße bis zu den im Westen gelegenen Naturschutzgebiet.
So präsentiert sich unser städtebaulicher Entwurfsgedanke, angelehnt an die aufeinanderfolgenden Ablagerungsschichten des Watt (Sand – Misch – Schlick), in einer Schichtung der Nutzungen entlang der Emsstraße, wobei die Randbereiche sanft ineinander übergehen und sich gegenseitig verzahnen. Verbindendes und überlagerndes Element ist der Baumfilter: Wie auch die Priele weit aus der ständig mit Wasser bedeckten Wattzone in die Gezeitenzone hineinragen, überspannt das lockere Baumraster mehrere Schichten.
Das Areal wird in drei Bereiche gegliedert: Campus, BanterSeePark, Ufer. Der Campus wird als Band vorgesehen dessen Saum nördlich von der Emsstraße und südlich von der Allee zum Banter See definiert ist. Innerhalb dieses ca. 50 m breiten und 600 m langen bilden sich, den jeweiligen Nutzungen zugeordnete Freiräume und Plätze, die eine Durchwegung fördern und interne räumliche Beziehungen schaffen. Die Querung des Campus erfolgt in drei baumbestanden Passagen, die sich an dem vorhanden Baumbestand orientieren und das Quartier in vier Baufelder aufteilen. An dieser Stelle ist langfristige eine Verlängerung der Passagen und somit die Durchwegung über die Emsstraße zum Handelshafen anzudenken. An der Allee zum Banter See (Atlantic Hotel Promenade am Park) markiert die bauliche Flucht des Campus eine deutliche städtische Kante im Süden von Wilhemshafen. Mit dem Campus erhält das TWWP einen attraktiven Hintergrund.<
Während die schnellen, zielgerichteten Verbindungen sich eher in das orthogonale und effiziente Muster der vorherigen Nutzung eingliedern, führen frei aufgespannte, vielfach verzweigte Flanierwege durch die Landschaft. Dabei werden bestehende Elemente wie die zentrale Baumreihe und das Plateau vor dem ehemalingen zweiten Bunker integriert und genutzt. Durch Verbindung und Überlagerung beider Systeme wird das Spannungsfeld des Ortes zwischen Geschichts- und Zukunftsort, Stadtkante und Naturraum, zwischen Forschung und Freizeit aufgegriffen und ablesbar. Die Übergänge der Bereiche Campus, BanterSeePark und Ufer mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften werden durchdrungen und dabei miteinander verwebt und die Fäden der Flanierwege durchdringen das städtische Band über das Grundstück hinaus in Richtung Wiesbadenbrücke und Innenstadt.
Als „letzter Zeitzeuge“ der Epoche der militärischen Bauten auf dem Areal des Banter See Parks steht der Hochbunker als Solitär und markiert heute, auch und besonders durch seine Körperhaftigkeit, gewissermaßen prominent, einen Übergang von Stadt und Landschaft. Denn die Dichte von Beton, Stahl und Uniformen ist einer offenen Uferlandschaft gewichen. Die Geschichte der Stadt liest sich nur noch von der Massivität, der Patina und der hervorgestellten Lage dieses Felsens ab, da das Motiv der Uferlandschaft Wattenmeer diesen nun umspielt und vielleicht sogar durchdringen wird.
Das Trilaterale Weltnaturerbe Wattenmeer Partnerschaftszentrum soll als Symbol für die Aufgaben der Zukunft stehen: Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes, Nachhaltigkeit und friedliche Globalität. Ein Ressourcen schonender Umgang (auch mit baulichen Strukturen) erfordert das sinnvolle Nutzen des Vorhandenen. Der Bunker dient uns als Basis (Sockel) des neuen Leuchtturmes. Durch minimal invasive Eingriffe wird dessen Struktur einer zukünftigen Nutzung urbar gemacht und dennoch wird die vorhanden Fläche vollumfänglich in die Funktion des TWWP integriert (Lagerflächen und besonders Archiv als Basis).
Die Räumlichkeiten des CWSS und NLPV befinden sich oberhalb des Bunkerbauwerks.

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auslober: stadt wilhelmshaven | fläche städtebaulicher ideenteil: ca. 9,9 ha, hochbaulicher realisierungsteil: ca. 2,0 ha | s. competitionline