„Alte Aktienspinnerei“ Chemnitz

Anerkennung städtebaulicher Ideenteil
nichtöffentlicher Ideen- und Realisierungswettbewerb
„TU Chemnitz – Umbau und Erweiterung des denkmalgeschützten Gebäudes der alten Aktienspinnerei zur Zentralbibliothek“ 2013
in Zusammenarbeit mit formation a und Prof. Dr. Alexander Stahr (Statik)

 

Städtebauliche Konzeption
Das städtebauliche Leitbild sieht die Entwicklung eines Campusgewebes zwischen den verschiedenen Stadtbausteinen der näheren Umgebung der Aktienspinnerei vor. Das Wohngebiet Am Brühl, das Kulturforum mit der St.Petri Kirche, sowie das Universitätshauptgebäude und der Schillerpark sind dabei die angetroffenen Bausteine. Der dominante Endpunkt Aktienspinnerei, der Neubau des Institutsgebäudes im süd-östlichen Teil des Wettbewerbsgebietes und der Böttgerbau spannen ein Gewebe auf, welches das neue Zentrum des Innenstadt- und Kulturcampus der TU Chemnitz bildet. Der Raum nördlich der Aktienspinnerei ist als Speicher (Magazin/Archiv) und Servicebereich des Gewebes zu verstehen. Hier ist die städtebauliche Idee mit der Historie des Ortes verbunden.

Durch öffentliche Erdgeschosszonen der Campus-bausteine findet eine Verwebung der Funktionen auch zwischen Freiraum und Gebäude statt. So entsteht eine Textur mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Qualitäten. Höfe und große Plätze kennzeichnen das Gebiet ebenso wie kleine Sportanlagen und überdachte Außenflächen.
Eine besondere Rolle im Gewebe kommt dem Pavillion mit Flugdach zu. Er ist als Schnittstelle zwischen Universität und Stadt zu verstehen. Er bietet Raum für Interaktion auf dem neuen Gewebe.
Das neue Quartier liest sich in Betrachtungsebenen, die sich zu einem Stück Stadtlandschaft verweben und ihm, unter Einbezug seiner Vergangenheit, zu seiner neuen Identität verhelfen:
Es ist gleichzeitig Campus, Stadtgarten und Kulturquartier und sorgt durch Überlappungen für eine spannende und lebendige Stadtatmosphäre.
Es entsteht eine zusammenhängend lesbare Struktur die stark genug ist, im städtbaulichen Gefüge zu bestehen. Gleichzeitig sind kleinteilige Räume eingebettet, die der Diversität von von Alt und Neu bzw. der Wandlungsfähigkeit der Nutzer gerecht werden.

Städtebauliche Konfiguration
Die Solitäre der Aktienspinnerei, der St. Petri-Kirche, des Eduard-Theodor-Böttcher-Baus sowie das neue Volumen der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften spannen zwischen sich die heterogene Stadt-landschaft auf, in deren Zentrum das Pylonendach mit den umgebenden öffentlichen Freiflächen rückt.
Campus – Die neuen Wegebeziehungen verflechten das neue Quartier mit seiner Umgebung: Harte Beläge verweben das Quartier quer mit den umgebenden Hof- und Gassenstrukturen in Brühl, Postquartier und mit dem bestehendem Campus an der Straße der Nationen. Weiche Beläge verknüpfen die Parkräume untereinander und betonen die Achse zwischen Kulturquartier und alter Achsenspinnerei.
Stadtgarten – Ausgehend von der historischen Situation wird der Schillerpark wieder bis unmittelbar an die Aktienspinnerei herangeführt und erneuert den Bezug zwischen Gebäude und Parkanlage.
Die entstehenden Freiflächen zeigen sich hierbei, ähnlich der Kompartimente eines Renaissancegartens, als eigenständige Bereiche menschlichen Maßstabs, die in ihrer Gesamtheit eine klare, zusammenhängende Großstruktur ergeben.
Programm – Fest installierte Objekte wie SItzgelegenheiten, Sportfelder oder Bühne erweitern das Angebot im Stadtraum und richten sich auf das Gebäuderaster der Bibliothek aus. Ergänzend hierzu laden unbespielte Rasen- und Kiesflächen zum freien, informellen Aneignen an: Sonnenbaden, Fußballspielen oder Boulespiel bieten Ablenkung vom Alltag.
Die Vielfalt und Streuung der Angebote gewährleistet eine konfliktfreie Nutzung des Freiraumes, in dem jeder, ob jung oder alt, ob Besucher oder Anwohner, seine Nische findet.
Vegetation – Parkbäume sorgen für die Grundatmosphäre des Freiraumes und werden von einer Allee und Bosketts (raumbildende Baumgruppen) mit besonderen Blüh- oder Herbstaspekten begleitet.
Die lockere Allee betont die historische Achse zwischen Aktienspinnerei und St. Petri-Kirche. Bosketts bilden Räume mit besonderem Charakter aus, in denen sich z.B. besondere Aktivitätsangebote oder Aufenthaltsqualitäten finden.

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Auslober:Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement |  Fläche: 30.300 m² | Bausumme: 38.000.000 @ netto (Realisierungsteil) | s. competitionline