Gartengeschoss
Fennpfuhler Tor
Ort
Das neue Teilquartier entsteht an einem Ort der grundlegenden Transformation des Stadtraumes. Es ist eingebettet zwischen den benachbarten Stadträumen und den städtebaulichen Dominanten „Storkower Bogen“, „ Gustavo-Haus“ und dem „Vienna House Andel´s Hotel“.
Begrenzt wird das Gebiet von der stark befahrenen Storkower Straße und dem Berliner S-Bahn-Ring. Es befindet sich am südwestlichen Rand der in den 70er und 80er Jahren entstandenen Großwohnsiedlung „Fennpfuhl“. Die Wohnsiedlung ist geprägt von großzügigen Grünzügen und Zeilenbauten.
Stadtraum / Idee
Der Entwurf bildet eine klare Stadtkante zur Storkower Straße und dem S-Bahnring. Die präzise wechselseitige Setzung von Einzelkörpern verleiht dem Ensemble seine Identität mit komplexen Bezügen und vermag zugleich Luftigkeit, Durchblicke und Dichte herzustellen. Das Ensemble besitzt ein hohes szenisches Potential mit Perspektiven, Maßstäben und verschiedenen Wahrnehmungen von nah und fern.
Drei prägnante Hochpunkte auf einem gemeinsamen Sockelgeschoss ergänzen den Gürtel von städtebaulichen Dominanten entlang der Storkower Straße. Sie bilden den stadträumlichen Auftakt und die städtische Adresse.
Das Herzstück gemeinschaftlichen Lebens bildet der zentrale große Innenhof (Binnengarten) eine eigene Mitte für das neue Ensemble mit Verbindungen zur Nachbarschaft, zur Promenade und dem weiten grünen Quartier.
Neuer Ankunftsort und urbaner Treffpunkt sind der nordwestliche „ Torplatz“ zusammen mit dem Mobilitätsfoyer und der zentral an der nördlich gelegenen Promenade befindliche Quartiersplatz. Zwei Durchgänge sind die Verbindung zum urbanen Raum an der Storkower Straße.
Das Mobiliätszentrum als städtebaulicher Sonderbaustein wird logisch am Eingang des Quartiers positioniert. Er vermittelt zur Umgebung und arrondiert das Quartier. Dabei hat der polygonale Baukörper ein hohes Potential ein attraktives städtisches Gebäude für zukünftige Wohnnutzungen zu schaffen.
Im verdichteten Quartier kommt den Dachflächen eine besondere Bedeutung zu. Während auf der Fußgängerebene die gemeinschaftlichen Freiräume einem hohen Nutzungsdruck unterliegen, bieten die unterschiedlich gestalteten Gartenetagen (Fennpfuhler Gärten) Rückzugsräume, Spielflächen, Urban Farming und Begegnungsstätten für die BewohnerInnen und Arbeitenden. Ein großzügiges Gartengeschoss verbindet auf dem Sockel alle drei Hochhäuser miteinander.
Das Grüne Herz verbindet das alte und das neue Quartier. Dieses Herz ist ein Garten, der als multicodierte urbane Aue dient und den Bewohnerinnen, Besucherinnen und Arbeitenden einen Raum bietet, um sich zu entspannen und zu erholen. Naturräumliche Elemente und der spürbare Bezug zu den angrenzenden Grünzügen verleihen dem Innenhof seine Stimmung.
Die Freiflächen der Kita fügen sich – unauffällig durch dichte Bepflanzung und Sickermulden abgegrenzt – in den Hof ein.
Vom Innenhof gibt es Aufgänge auf das Gartengeschoss, das den Bewohner*innen des Fennpfuhler Tors zur Verfügung steht. Es bietet Spiel- und Aufenthaltsflächen zwischen den Gehölzgruppen des Gartens. Die Spielflächen entsprechen dabei den Anforderungen der Bauordnung Berlin.
Das grüne Innere verbindet über die neuen Quartiersplätze hinweg zur bestehenden Promenade im Norden, zum Ring gelangt man durch breite Toröffnungen nach Süden.
Die baumbestandenen Quartiersplätze bilden zusätzlich eine Art Schwelle zwischen Innen und Außen – sie sind kleine Treffpunkte zwischen Neu und Alt und laden mit kleinen Sportangeboten wie Tischtennis und Boule zum nachbarschaftlichen Austausch.
Außen umfasst eine breite „Stadtnatur“ das Ensemble. Ein dichtes Patchwork aus verschieden befestigten Belägen breitet einen Teppich für die vorwiegende Gewerbe- und Dienstleistungsnutzung der Erdgeschosse. Ein gestalterisch zusammenhängendes Muster aus Rasenfugen, Rasengittersteinen und Sickerbeeten soll für größtmögliche Perforation bei größtmöglicher Nutzungsflexibilität sorgen. Aussenbestuhlung, Auslegewaren, Radanlehnbügel, Zufahrt für Anlieferung, Rettung und Müll sollen hier, neben kleinen niedrigschwellig nutzbaren Sitzgelegenheiten und bei hoher Aufenthaltsqualität Platz finden.
Ein Merkmal des Fennpfuhler Tores ist die Integration von Schwammstadtelementen, beginnend mit den extensiv begrünten Hochhausdächern, die eine Retentionsfunktion haben. Das gesammelte Wasser wird durch das Schwerkraftprinzip genutzt, um die Fassadenbegrünung zu bewässern. Besonders an den Südfassaden gibt es eine Vielzahl an begrünten Flächen, die für Verschattung sorgen.
Auch die Retentionsdächer auf dem Gartengeschoss sind intensiv begrünt und tragen dazu bei, dass das Klima in der Stadt angenehm bleibt. Durch den hohen Verdunstungsanteil wird im Sommer für eine angenehme Kühlung gesorgt. Zudem sorgen die Grünflächen für eine hohe Aufenthaltsqualität und binden Staub.
Das Herzstück bildet die urbane Aue, die sowohl eine Rückhaltung als auch eine Versickerung von Wasser ermöglicht. Die Bepflanzung der Aue ist vielfältig und sorgt durch die Evaporation für Abkühlung. Außerdem kann bei Starkregen das Wasser temporär eingestaut werden. Das 100-jährige Regenwasser kann in allen Grünflächen und auch auf den Platzflächen eingestaut werden.
Die Stadt setzt auch auf den Albedoeffekt, indem helle Bodenbeläge mit hoher Abstrahlung und geringer Aufheizung verwendet werden. Die befestigten Flächen sind möglichst luft- und wasserdurchlässig und auf ein minimum reduziert.
In den Vorzonen sind regelmäßig Verdunstungs- und Sickerbeete angeordnet, um das Wasser zu bewirtschaften.
Schließlich setzt der Entwurf auch auf erneuerbare Energien. Es gibt Windkraftwände auf den Hochhäusern und kombinierte Photovoltaik-Gründächer.